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«Das liegt an der Tagesordnung»

«Das liegt an der Tagesordnung»

Wie sich ein Unfall zugetragen hat, fragt sich die Polizei oft. Vor allem dann, wenn sich die Verursacher aus dem Staub machen. Mutwillig, weil sie alkoholisiert sind oder nichts bemerkt haben.

Zum Beispiel Solothurn: Am 4. Dezember fuhr ein Autofahrer in einen Motorradfahrer. Statt sich aber um den verletzten Töfffahrer zu kümmern, ging der Autofahrer seines Wegs. Zum Beispiel Langenthal: Beim Rückwärtsfahren kollidierte am 6. Dezember ein Automit einem zweiten. Auch dieser Lenker stieg nicht aus dem Wagen, sondern setzte seine Fahrt fort. Oder Jegenstorf: Eine Velofahrerin wurde am 8. Dezember von einem Autoangefahren. Der Fahrer bremste kurz, dann fuhr er weiter.

Im Dezember geschah Ähnliches bei Unfällen in Grenchen, Deitingen, Gerlafingen, Wiedlisbach, Thun, Kirchlindach, Hasle, Lengnau oder Twann. Die Aufzählung liesse sich beliebig fortsetzen. Immer waren Fahrzeugführer in einen Unfall verwickelt, immer gab es Verletzte oder einen Sachschaden.

Immer aber sorgten sich die Verursacher nicht um die Folgen des Unfalls. Oder aber sie bemerkten nichts von der Kollision. Viele Unfallmeldungen der Berner und Solothurner Kantonspolizei kommen nicht ohne den Hinweis aus, dass ein Beteiligter «ohne anzuhalten» weitergefahren sei. Dabei müssten sie auf dem Unfallplatz bleiben, bis die Polizei anrückt.

Nur scheinbar mehr Fälle

«Es sieht schon so aus, dass es derzeit eine Häufung gibt», sagt Heinz Pfeuti, Sprecher der Kantonspolizei Bern. Beim genaueren Hinsehen aber hält sich die Anzahl der Versäumnisse – im Vergleich zu früher – in Grenzen.

Bis Anfang letzter Woche zählte die Kantonspolizei 841 Fälle, in denen Fahrerflucht begangen oder die Meldepflicht verletzt wurde. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 891 Fälle – also etwa gleich viele wie jetzt. Von Fahrerflucht ist die Rede, wenn es verletzte Personen gibt; bei Sachschaden wird von Nichteinhaltung der Meldepflicht gesprochen.

Alkohol oder der Zahnarzttermin

«Neu ist das nicht», sagt auch Peter Schluep, Sprecher der Kantonspolizei Solothurn. Fälle von Fahrerflucht seien «an der Tagesordnung». Von einer Häufung will er denn auch nichts wissen. «Ein paar hundert» solcher Delikte werden hier jährlich gezählt. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht.

Ebenso wenig ist bekannt über die Gründe des fehlbaren Verhaltens. «Manche wollen nicht zur Rechenschaft gezogen werden, weil sie alkoholisiert waren», sagt Schluep. Werden die Täter dann doch geschnappt, bekommen die Behörden die verschiedensten Ausreden zu hören – so wurde auch schon ein Termin beim Zahnarzt vorgeschoben. Oft ist es aber tatsächlich so, dass die Verursacher nichts bemerkten. Gerade bei Lastwagen gebe es oft keine Erschütterung, wenn etwa ein Velofahrer angefahren wird, sagt Pfeuti. Gegen die zahllosen Fälle von mutwilliger Fahrerflucht aber ist die Polizei machtlos. «Was sollen wir auch machen?», sagt Schluep. «Wir können immer nur in Erinnerung rufen, dass es die Meldepflicht gibt.»

«Zeugen gesucht» und und auch gefunden?

In fast jeder Mitteilung von kantonalen Polizeistellen zu Verkehrsunfällen (und auch Verbrechen) findet sich der Hinweis, dass Zeugen gesucht werden. Oft werden Personen aufgerufen, die in einen Unfall verwickelt waren und dies nicht bemerkt haben oder geflüchtet sind (siehe Haupttext), und immer auch Menschen, die die Ereignisse beobachtet haben. «Im Zweifelsfall wird ein Aufruf gemacht», sagt Peter Schluep von der Solothurner Kantonspolizei. Die meisten Hinweise seien hilfreich, oft würden aber auch offensichtlich falsche Angaben gemacht. Etwa 25 Prozent aller Zeugenhinweise führten zum Erfolg, sagt Schluep. Eine Statistik wird jedoch nicht geführt. «Es kommt vor, dass sich die Verursacher selber melden», sagt Heinz Pfeuti von der Kantonspolizei Bern. Ob es Hinweise gebe, hänge indes stark mit dem Unfallzeitpunkt und dem Unfallort zusammen. Nachts, in abgelegenen Gebieten gibt es oft keine Zeugen. Manchmal wird ein Autofahrer jedoch auch ertappt, wenn er nach einem Unfall in einer Autogarage das Fahrzeug reparieren lässt.

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